Berufsporträt: Augenoptiker / Augenoptikerin
Augenoptikerinnen und Augenoptiker sorgen dafür, dass Menschen gut sehen können – mit passgenauen Brillen, Kontaktlinsen und optischen Hilfsmitteln. Der Beruf verbindet handwerkliche Präzision, technisches Verständnis und ein hohes Maß an Beratungskompetenz im direkten Kontakt mit Kundinnen und Kunden.
Jobangebote: Augenoptiker / Augenoptikerin

1. Einleitung: Was macht ein Augenoptiker?
Als Augenoptiker / Augenoptikerin misst du Sehfehler, berätst bei der Auswahl von Brillen und Kontaktlinsen und fertigst oder passt Sehhilfen individuell an. Du arbeitest meist in Augenoptikfachgeschäften, Filialketten oder bei Optik- und Glasherstellern. Neben der handwerklichen Arbeit am Arbeitsplatz in der Werkstatt spielst du auch im Verkaufsraum eine wichtige Rolle: Du erklärst medizinisch-optische Zusammenhänge verständlich und hilfst bei der Auswahl einer typgerechten Fassung.
2. Ein Tag als Augenoptiker / Augenoptikerin
Der Arbeitsalltag in der Augenoptik ist vielseitig und abwechslungsreich. Typische Situationen sind:
- Morgens: Ladenöffnung, Kontrolle der Präsentationsflächen, Prüfen offener Aufträge und Bestellungen, kurzer Abgleich im Team.
- Kundenberatung: Du empfängst Kundinnen und Kunden, erfasst deren Wünsche, erklärst unterschiedliche Glasarten (z. B. Einstärken-, Gleitsicht- oder Arbeitsplatzgläser) und unterstützt bei der Fassungswahl.
- Sehtests und Refraktion: Mit Hilfe von Sehtafeln, Phoropter, Autorefraktometer und weiteren Messgeräten bestimmst du die Sehstärke und ermittelst die passende Korrektur.
- Werkstattarbeit: Zuschleifen und Einarbeiten der Gläser, Anpassen von Brillenbügeln, Austausch von Nasenpads, Reparatur von defekten Fassungen.
- Kontaktlinsen-Anpassung: Anpassen von Sitz und Stärke, Einweisung in Handhabung und Pflege, Kontrolle der Verträglichkeit.
- Dokumentation und Verwaltung: Erfassen von Messwerten, Erstellen von Aufträgen für die Glasfertigung, Bestandskontrolle, ggf. Abrechnung mit Kostenträgern.
- Nachmittags: Übergabe fertiger Brillen, Feinanpassung vor Ort, Reklamationsbearbeitung und Nachkontrollen.
Je nach Betrieb können außerdem Verkaufsaktionen, Schaufenstergestaltung oder mobile Einsätze in Betrieben, Schulen oder Pflegeeinrichtungen dazu kommen.
3. Aufgaben: Was macht man als Augenoptiker konkret?
Die Tätigkeit als Augenoptiker / Augenoptikerin umfasst handwerkliche, technische, beratende und kaufmännische Aufgaben.
Handwerklich-technische Aufgaben
- Durchführen von Sehtests und einfachen augenoptischen Messungen (Refraktion, Zentrierung, Pupillendistanz).
- Auswahl und Bestellung passender Brillengläser und Fassungen nach den ermittelten Werten.
- Glaszuschliff, Bohren und Einarbeiten der Gläser in die Fassung mit Hilfe von modernen CNC-Schleifautomaten.
- Anpassung von Brillen an die individuelle Kopfform: Bügel biegen, Nasenpads einstellen, Sitz kontrollieren.
- Reparaturen und Servicearbeiten (z. B. Scharnierreparaturen, Lötarbeiten, Austausch von Kleinteilen).
- Anpassung von Kontaktlinsen in enger Abstimmung mit Augenärzten, je nach Qualifikation und betrieblichem Angebot.
Beratung und Kundenservice
- Individuelle Typ- und Stilberatung zur Auswahl der Fassung (Form, Farbe, Material).
- Erklärung von Glasoptionen wie Entspiegelung, Härtung, Tönung, Blaulichtfilter, phototrope Gläser.
- Beratung zu Speziallösungen (Sportbrillen, Bildschirmarbeitsplatzbrillen, vergrößernde Sehhilfen).
- Begleitung bei der Erstversorgung nach Augenoperationen oder bei besonderen Sehbedürfnissen, immer im Rahmen der augenoptischen Kompetenzen.
- Serviceleistungen wie Brillenreinigung, Sitzkontrolle, Nachjustierung.
Kaufmännische und organisatorische Aufgaben
- Warenwirtschaft: Bestellung von Fassungen, Gläsern, Pflegemitteln und Zubehör, Lagerpflege.
- Angebots- und Preisgestaltung im Rahmen der betrieblichen Vorgaben.
- Erstellen von Kostenvoranschlägen, ggf. Abwicklung mit gesetzlichen oder privaten Kostenträgern.
- Mitarbeit bei Marketing- und Verkaufsaktionen (z. B. Aktionen zu Bildschirmarbeitsplatzbrillen).
- Führen von Kundendateien und Dokumentation der Messwerte.
4. Ausbildung: Wie wird man Augenoptiker / Augenoptikerin?
Duale Berufsausbildung im Handwerk
Der Weg in den Beruf führt in der Regel über die anerkannte duale Berufsausbildung zum Augenoptiker / zur Augenoptikerin nach der Ausbildungsverordnung für den Ausbildungsberuf Augenoptiker (Verordnung über die Berufsausbildung zum Augenoptiker/zur Augenoptikerin vom 21. Juni 2016, BGBl. I S. 1489).
Wesentliche Eckdaten der Ausbildung:
- Dauer: in der Regel 3 Jahre (Verkürzung bei entsprechender Vorbildung möglich).
- Ausbildungsform: dual – Lernort Betrieb (Augenoptikfachgeschäft oder Industrie) und Berufsschule.
- Rechtsgrundlage: Handwerksordnung (HwO) und jeweilige Ausbildungsverordnung.
- Abschluss: Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer bzw. Innung.
Inhalte der Ausbildung
Die Ausbildungsordnung sieht unter anderem folgende Lernfelder vor:
- Grundlagen der Optik und Augenoptik (Sehvorgang, Fehlsichtigkeiten, Korrektionsmöglichkeiten).
- Refraktion und Zentrierung (Sehstärkenbestimmung im Rahmen der augenoptischen Kompetenzen).
- Werkstattpraxis: Glasbearbeitung, Fassungsbearbeitung, Löt- und Klebearbeiten.
- Kundenberatung und Verkauf, Kommunikation und Serviceverhalten.
- Qualitätssicherung, Arbeitssicherheit, Hygiene.
- Betriebswirtschaftliche Grundlagen, Kalkulation, Warenwirtschaft.
Formale Zugangsvoraussetzungen
Rechtlich ist für die Aufnahme der Ausbildung kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis verlangen viele Betriebe jedoch mindestens einen Hauptschul- oder mittleren Schulabschluss. Gute Noten in Mathematik, Physik und Deutsch sind von Vorteil.
Fortbildung: Meister, Studium und Spezialisierungen
- Augenoptikermeister / Augenoptikermeisterin: Aufbauqualifikation nach der Gesellenzeit, regelt unter anderem die Ausbildungsberechtigung und – je nach Betriebsform – die fachliche Leitung eines Augenoptikfachgeschäfts. Rechtsgrundlage ist die Meisterprüfungsverordnung im Augenoptiker-Handwerk./li>
- Studium im Bereich Augenoptik / Optometrie (Bachelor, Master): z. B. an Fachhochschulen mit Studiengängen wie „Augenoptik/Optometrie“ oder „Optometrie & Vision Science“; häufig in Kombination mit vertiefter Refraktion, Kontaktlinsenanpassung und Forschung.
- Spezialisierungen: Kontaktlinsen-Spezialist/in, Low-Vision-Beratung, Sportoptik, betriebliche Gesundheitsförderung (Bildschirmarbeitsplatzbrillen), Filial- oder Standortleitung.
5. Gehalt als Augenoptiker / Augenoptikerin
Die Einkommenshöhe hängt von Faktoren wie Berufserfahrung, Qualifikation, Betriebsgröße, Region und Tarifbindung ab. Die folgenden Angaben dienen der Orientierung.
Tarifliche Vergütung (Beispielinformationen)
Für Augenoptikerinnen und Augenoptiker gelten je nach Bundesland und Tarifbindung unterschiedliche Tarifverträge, zum Beispiel der Tarifvertrag zwischen dem Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen (ZVA) und der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di.
Beispielhafte Bruttogehälter für Augenoptiker/innen nach Berufserfahrung (Stand ca. 2025)
- Einstieg nach Ausbildung: 2.200 – 2.600 € pro Monat
- Mit Berufserfahrung (3–7 Jahre): 2.500 – 3.000 € pro Monat
- Augenoptikermeister/in, Filialleitung: 3.000 – 3.800 € pro Monat
Ausbildungsvergütung
Die Ausbildungsvergütung richtet sich nach dem jeweiligen Tarifvertrag oder der Vereinbarung im Ausbildungsvertrag. Viele Betriebe orientieren sich an der Empfehlung des Zentralverbands der Augenoptiker und Optometristen (ZVA).
- 1. Ausbildungsjahr: ca. 700 – 900 € brutto/Monat
- 2. Ausbildungsjahr: ca. 800 – 1.000 € brutto/Monat
- 3. Ausbildungsjahr: ca. 900 – 1.100 € brutto/Monat
Individuelle Abweichungen sind möglich, insbesondere in nicht tarifgebundenen Betrieben oder in Regionen mit starkem Fachkräftemangel.
6. Karrierewege und Entwicklungsmöglichkeiten
Fachliche Spezialisierung
- Kontaktlinsen-Spezialist/in: Vertiefung in Anpassung, Materialkunde und Langzeitbetreuung.
- Optometrie: Erweiterte augenoptische Dienstleistungsangebote wie Screening auf bestimmte Auffälligkeiten (immer im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten und in Zusammenarbeit mit Augenärzten).
- Low Vision / vergrößernde Sehhilfen: Versorgung von Menschen mit Sehbehinderung.
- Sport- und Arbeitsplatzoptik: Spezielle Sehlösungen z. B. für Piloten, Handwerker oder Bildschirmarbeitsplätze.
Aufstieg im Betrieb
- Geselle mit Zusatzaufgaben: z. B. Werkstattleitung, Schulung neuer Mitarbeitender.
- Stellvertretende Filialleitung / Filialleitung: Personalplanung, Umsatz- und Kostenverantwortung, Organisationsaufgaben.
- Betriebsleitung in größeren Unternehmen oder Filialketten.
Selbstständigkeit
Mit der Meisterqualifikation und weiteren betriebswirtschaftlichen Kenntnissen ist die Gründung oder Übernahme eines Augenoptikfachgeschäfts möglich. Die genauen Rahmenbedingungen ergeben sich aus der Handwerksordnung (HwO), insbesondere aus den Regelungen zu zulassungspflichtigen Handwerken.
Akademische Laufbahn
- Studium Augenoptik / Optometrie (z. B. Bachelor of Science): Vertiefte Kenntnisse in Optometrie, Kontaktlinsen, Binokularsehen, Forschung.
- Masterstudiengänge in Optometrie, Vision Science oder angrenzenden Bereichen.
- Tätigkeit in Industrie, Forschung, Entwicklung (z. B. Glas- oder Fassungshersteller, Medizintechnikunternehmen).
7. Verwandte Berufe
Wer sich für das Berufsfeld rund um Sehen, Gesundheit und Technik interessiert, könnte auch folgende Berufe spannend finden:
- Orthoptist / Orthoptistin – spezialisiert auf Diagnostik und Therapie von Seh- und Augenbewegungsstörungen, in der Regel in augenärztlichen Praxen oder Kliniken.
- Augenarzt / Augenärztin – Facharzt für Augenheilkunde mit Studium der Humanmedizin und Facharztausbildung.
- Hörakustiker / Hörakustikerin – Anpassung und Wartung von Hörsystemen, ähnlich beratungs- und technikintensiv.
- Medizinische/r Fachangestellte/r (MFA) in der Augenheilkunde – Unterstützung von Augenärzten bei Untersuchungen und in der Praxisorganisation.
- Feinoptiker / Feinoptikerin – Herstellung von optischen Komponenten und Systemen, stärker technisch-industriell ausgerichtet.
8. FAQ: Augenoptiker / Augenoptikerin
Welche schulischen Voraussetzungen brauche ich für die Ausbildung zum Augenoptiker?
Gesetzlich ist kein bestimmter Abschluss vorgeschrieben. Viele Betriebe bevorzugen jedoch Bewerberinnen und Bewerber mit mittlerem Schulabschluss oder gutem Hauptschulabschluss. Wichtig sind solide Kenntnisse in Mathematik und Physik, gutes räumliches Vorstellungsvermögen und Freude am Umgang mit Menschen.
Was ist der Unterschied zwischen Augenoptiker und Optometrist?
In Deutschland ist „Augenoptiker/in“ ein anerkannter Ausbildungsberuf im Handwerk. „Optometrist/in“ bezeichnet in der Regel eine zusätzliche oder akademische Qualifikation (z. B. Bachelor- oder Masterstudium in Optometrie) mit erweiterten Kompetenzen in Screening und optometrischer Diagnostik. Die heilkundliche Diagnostik und Therapie bleibt jedoch Ärztinnen und Ärzten für Augenheilkunde vorbehalten.
Kann ich als Augenoptiker Teilzeit arbeiten?
Ja. In vielen Augenoptikfachgeschäften und Filialketten sind Teilzeitmodelle üblich, insbesondere im Verkauf und in der Werkstatt. Arbeitszeiten orientieren sich in der Regel an den Öffnungszeiten des Geschäfts, daher ist auch Arbeit am Samstag häufig.
Wie zukunftssicher ist der Beruf Augenoptiker?
Der Bedarf an guten Sehhilfen bleibt aufgrund demografischer Entwicklungen und zunehmender Bildschirmarbeit langfristig hoch. Digitale Messsysteme und Online-Angebote verändern zwar die Branche, ersetzen aber den persönlichen Service und die individuelle Anpassung nicht. Zusätzliche Kompetenzen in Optometrie, Kontaktlinsen und Spezialversorgungen erhöhen die berufliche Sicherheit.
9. Quellenblock
- Verordnung über die Berufsausbildung zum Augenoptiker/zur Augenoptikerin vom 21. Juni 2016 (BGBl. I S. 1489), abrufbar über das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und das Bundesministerium der Justiz.
- Handwerksordnung (HwO) in der jeweils gültigen Fassung, insbesondere Anlage A (zulassungspflichtige Handwerke), Bundesministerium der Justiz / juris.
- Informationen zum Berufsbild Augenoptiker/in, Bundesagentur für Arbeit – BERUFENET..
- Tarif- und Gehaltsinformationen in der Augenoptik (z. B. Empfehlungen des Zentralverbands der Augenoptiker und Optometristen – ZVA) und ver.di..