Berufsporträt: Rohrschlosser / Rohrschlosserin

Rohrschlosserinnen und Rohrschlosser sind Fachkräfte für die Montage, Instandhaltung und Reparatur von Rohrleitungen in Industrieanlagen, Versorgungsbetrieben oder auf Baustellen. Sie sorgen dafür, dass Medien wie Wasser, Dampf, Öl, Gas oder chemische Stoffe sicher, dicht und effizient transportiert werden.

Jobangebote: Rohrschlosser / Rohrschlosserin

Rohrschlosser / Rohrschlosserin bei der Montage einer Industrie-Rohrleitung

1. Einleitung

Ob in der Energieversorgung, in Raffinerien, in der Lebensmittelindustrie oder im Anlagenbau: Überall werden komplexe Rohrleitungssysteme benötigt. Rohrschlosserinnen und Rohrschlosser planen, fertigen und montieren diese Systeme aus Metall- oder Kunststoffrohren nach technischen Zeichnungen und isometrischen Plänen. Der Beruf erfordert handwerkliches Geschick, räumliches Vorstellungsvermögen, Sorgfalt und ein ausgeprägtes Sicherheitsbewusstsein.

2. Ein Tag als Rohrschlosser / Rohrschlosserin

Der Arbeitsalltag hängt stark vom Einsatzbereich ab – ob auf Montagebaustellen, in großen Industrieanlagen, in Werkstätten oder im Serviceeinsatz. Typisch ist eine Mischung aus praktischer Montagearbeit, Messen, Prüfen und Dokumentieren.

Typischer Tagesablauf

  • Morgens: Arbeitsauftrag und Pläne aufnehmen, Werkzeug und Schutzausrüstung prüfen, Baustelle oder Anlagenteil einrichten.
  • Vormittags: Rohrleitungen zuschneiden, anreißen, anpassen und ggf. mit Schweißfachkräften abstimmen; Bauteile heben und ausrichten.
  • Mittags: Montage von Rohrstücken, Flanschen, Ventilen, Armaturen und Halterungen nach Zeichnung und Normen.
  • Nachmittags: Dichtheitsprüfungen, Funktionsprüfungen, Protokollierung der Arbeiten und Übergabe an Vorgesetzte oder Kunden.

Je nach Projekt kann der Arbeitsort wechseln: von der Werkhalle über den Chemiepark bis hin zu Kraftwerken oder Großbaustellen. Häufig wird im Team mit Anlagenmechanikern, Industriemechanikerinnen, Schweißerinnen und Ingenieuren zusammengearbeitet.

Arbeitsumfeld und Arbeitszeiten

  • Arbeitsumgebung: überwiegend in Werkstätten, Produktionsanlagen, auf Baustellen, teilweise im Freien oder in engen Räumen.
  • Arbeitszeiten: meist Vollzeit, gelegentlich Schichtdienst oder Montageeinsätze mit auswärtiger Übernachtung.
  • Sicherheitsaspekt: strenge Einhaltung von Arbeitsschutz, insbesondere in Bereichen mit Druckbehältern, heißen Medien oder Gefahrstoffen.

3. Aufgaben eines Rohrschlossers / einer Rohrschlosserin

Der Beruf des Rohrschlossers ist handwerklich-technisch geprägt und orientiert sich an industriellen Anforderungen. Im deutschen Berufsbildungssystem wird die Tätigkeit häufig unter Berufen wie Anlagenmechaniker/-in, Industriemechaniker/-in oder Konstruktionsmechaniker/-in mit Schwerpunkt Rohrleitungsbau ausgeübt.

Typische Tätigkeiten

  • Lesen und Umsetzen von technischen Zeichnungen, Isometrien und Rohrleitungsplänen.
  • Ausmessen von Leitungswegen auf der Baustelle oder im Bestand.
  • Zuschneiden, Anreißen und Kalt- oder Warmbiegen von Rohren.
  • Herstellen von Verbindungen (z. B. Flanschen, Schraubverbindungen, Schweißvorbereitung).
  • Montage von Rohrleitungen, Halterungen, Trassen, Ventilen und Armaturen.
  • Ausrichten, Fixieren und Spannen der Rohrleitungen mit geeigneten Werkzeugen.
  • Durchführen von Dichtheits- und Druckprüfungen nach Vorgaben.
  • Wartung, Instandsetzung und Umbau vorhandener Rohrleitungssysteme.
  • Dokumentation der Arbeiten und ggf. Erstellung von Aufmaßen.

Verantwortungsbereiche

  • Sicherheit: Einhaltung von Vorschriften z. B. aus Arbeitsschutzgesetz, Betriebssicherheitsverordnung und ggf. Explosionsschutzdokumenten.
  • Qualität: Montage nach geltenden Normen (z. B. DIN-/EN-Normen für Rohrleitungen) und betrieblichen Vorgaben.
  • Zusammenarbeit: Abstimmung mit Schweißaufsicht, Prüfpersonal (z. B. zerstörungsfreie Prüfungen) und Bauleitung.

Wichtige Fähigkeiten und Kenntnisse

  • Gute Kenntnisse in Metallbearbeitung (Trennen, Bohren, Schleifen, Biegen).
  • Grundverständnis von Hydraulik, Pneumatik und Strömungstechnik.
  • Sicherer Umgang mit Hand- und Elektrowerkzeugen sowie Messmitteln.
  • Fähigkeit, in der Höhe, in Schächten oder beengten Verhältnissen zu arbeiten – unter Berücksichtigung der Sicherheitsregeln.
  • Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit und sorgfältige Arbeitsweise.

4. Ausbildung / Zugang zum Beruf

„Rohrschlosser“ ist in Deutschland in der Regel keine eigenständige staatlich anerkannte Berufsbezeichnung, sondern eine umgangssprachliche Bezeichnung für Tätigkeiten im Bereich Rohrleitungsbau und Rohrmontage. Der Zugang erfolgt über anerkannte metalltechnische Berufe.

Typische Ausbildungsberufe mit Einsatz als Rohrschlosser / Rohrschlosserin

  • Anlagenmechaniker / Anlagenmechanikerin – Fachrichtung z. B. Apparate- und Behälterbau oder Versorgungstechnik.
  • Industriemechaniker / Industriemechanikerin.
  • Konstruktionsmechaniker / Konstruktionsmechanikerin – Einsatzgebiet z. B. Schweißtechnik oder Ausrüstungstechnik.
  • Anlagenmechaniker/-in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik – insbesondere bei Rohrleitungsbau in Gebäuden.

Die genannten Berufe sind gemäß Berufsbildungsgesetz (BBiG) und Handwerksordnung (HwO) staatlich anerkannte duale Ausbildungsberufe mit einer Regelausbildungsdauer von 3,5 Jahren (z. B. Anlagenmechaniker, Konstruktionsmechaniker) bzw. 3 Jahren (z. B. Anlagenmechaniker SHK).

Inhalte der dualen Ausbildung (Beispiele)

  • Grundlagen der Metallbearbeitung und Fügetechnik.
  • Technisches Zeichnen, Lesen von Fertigungs- und Montageplänen.
  • Herstellung und Montage von Baugruppen und Rohrleitungssegmenten.
  • Arbeitssicherheit, Umweltschutz und Qualitätssicherung.
  • Grundlagen der Steuerungs-, Mess- und Regeltechnik.

Die praktische Ausbildung erfolgt im Betrieb, die theoretische Ausbildung in der Berufsschule. Am Ende steht eine Abschlussprüfung vor der zuständigen Kammer (z. B. Industrie- und Handelskammer (IHK) oder Handwerkskammer (HWK)).

Alternative Zugänge und Zusatzqualifikationen

  • Umschulung: Über Bildungsträger nach BBiG/HwO, z. B. gefördert durch die Bundesagentur für Arbeit.
  • Schweißqualifikationen: Zusatzausbildungen nach DVS-IIW/EWF-Richtlinien können die Einsatzmöglichkeiten im Rohrleitungsbau erhöhen.
  • Speziallehrgänge: z. B. für Montage von Rohrleitungen im Kraftwerks-, Chemie- oder Lebensmittelbereich.

5. Gehalt als Rohrschlosser / Rohrschlosserin

Da „Rohrschlosser“ kein einheitlich tariflich geregelter Ausbildungsberuf ist, orientiert sich das Einkommen an den jeweils zugrunde liegenden Metall- oder Handwerksberufen (z. B. Anlagenmechaniker, Industriemechaniker) und an der Branche.

Durchschnittliches Gehalt

Laut Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit (Berufsgruppe u. a. „Berufe in der Metallbau- und Schweißtechnik“ sowie „Berufe in der Anlagenmechanik“) lag das Medianentgelt im Jahr 2023 in Deutschland bei rund 3.000–3.300 Euro brutto im Monat für Vollzeitbeschäftigte.

Übersicht: Verdienstmöglichkeiten als Rohrschlosser / Rohrschlosserin (Richtwerte)
Karrierestufe Monatsbrutto (ca.) Hinweis
Einstieg (nach Ausbildung) 2.600 – 3.000 € abhängig von Branche, Region, Tarifbindung
Berufserfahren (3–7 Jahre) 3.000 – 3.500 € ggf. Zuschläge für Schicht-/Montagearbeit
Fachkraft mit Spezialisierung (z. B. Rohrleitungsbau in der Chemie) 3.500 – 4.200 € meist in tarifgebundenen Industrieunternehmen
Vorarbeiter / Montageleitung 4.000 € und mehr Verantwortung für Teams und Projekte

Ausbildungsvergütung (Beispiele metalltechnische Berufe)

Die Ausbildungsvergütung richtet sich nach dem jeweiligen Beruf und Tarifvertrag. Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) lag die durchschnittliche monatliche Bruttovergütung in Metallberufen im Jahr 2023 bei etwa folgenden Werten:

  • 1. Ausbildungsjahr: ca. 1.050 – 1.100 €
  • 2. Ausbildungsjahr: ca. 1.100 – 1.160 €
  • 3. Ausbildungsjahr: ca. 1.150 – 1.220 €
  • 4. Ausbildungsjahr (falls vorhanden): ca. 1.220 – 1.300 €

In tarifgebundenen Industriebetrieben (z. B. Metall- und Elektroindustrie) können die Beträge über diesen Durchschnittswerten liegen.

6. Karrierewege und Aufstiegschancen

Nach einigen Jahren Berufspraxis als Rohrschlosser / Rohrschlosserin stehen unterschiedliche Entwicklungsmöglichkeiten offen – sowohl fachlich als auch in Richtung Führung oder Planung.

Fachliche Spezialisierung

  • Spezialist/-in für Rohrleitungsbau in bestimmten Branchen (z. B. Chemie, Energie, Lebensmittel, Schiffbau).
  • Erweiterung der Schweißqualifikationen (z. B. WIG-, MAG-, Orbitalschweißen).
  • Prüf- und Qualitätssicherung (z. B. zerstörungsfreie Prüfung, Druckprüfungen).

Fort- und Weiterbildungen (Beispiele)

  • Industriemeister/-in Metall (IHK).
  • Industriemeister/-in Mechatronik (IHK) oder Installateur- und Heizungsbauermeister/-in (HWK), je nach Grundberuf.
  • Techniker/-in, z. B. staatlich geprüfte/-r Techniker/-in für Maschinentechnik, Konstruktionstechnik oder Versorgungstechnik.
  • Weiterbildungen in Arbeitsvorbereitung, Projektsteuerung oder Montageleitung.

Perspektive Studium

Mit (Fach-)Hochschulreife und beruflicher Erfahrung können Studiengänge wie Maschinenbau, Anlagen- und Verfahrenstechnik oder Versorgungstechnik anschließen. Berufserfahrene können ggf. über berufliche Qualifikation auch ohne klassisches Abitur ein Studium aufnehmen, abhängig von den Regelungen der jeweiligen Bundesländer und Hochschulen.

7. Verwandte Berufe

Wer sich für die Tätigkeit als Rohrschlosser / Rohrschlosserin interessiert, findet auch in verwandten metall- und anlagentechnischen Berufen passende Alternativen:

  • Anlagenmechaniker / Anlagenmechanikerin – z. B. für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik oder für Apparate- und Behälterbau.
  • Industriemechaniker / Industriemechanikerin – Schwerpunkt Montage und Instandhaltung von Produktionsanlagen.
  • Konstruktionsmechaniker / Konstruktionsmechanikerin – Fertigung und Montage von Metallkonstruktionen, oft mit Schweißtechnik.
  • Metallbauer / Metallbauerin – insbesondere Fachrichtung Konstruktionstechnik.
  • Anlagenmechaniker/-in Rohrsystemtechnik – in Versorgungsunternehmen und Rohrleitungsbauunternehmen.

8. FAQ zum Beruf Rohrschlosser / Rohrschlosserin

1. Ist Rohrschlosser ein anerkannter Ausbildungsberuf in Deutschland?

„Rohrschlosser“ ist in Deutschland keine eigenständige staatlich anerkannte Berufsbezeichnung. Die Tätigkeiten werden in der Praxis meist von ausgebildeten Anlagenmechanikerinnen, Industriemechanikern, Konstruktionsmechanikerinnen oder ähnlichen Metallberufen übernommen. Der Begriff beschreibt also eher ein Tätigkeitsfeld im Rohrleitungsbau als einen formalen Ausbildungsberuf.

2. Welche schulischen Voraussetzungen brauche ich als angehender Rohrschlosser?

Für die zugrunde liegenden Ausbildungsberufe (z. B. Anlagenmechaniker, Industriemechaniker) ist rechtlich kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis stellen viele Betriebe bevorzugt Bewerberinnen und Bewerber mit Hauptschulabschluss oder mittlerem Schulabschluss ein. Gute Noten in Mathematik, Physik und Technik erleichtern den Einstieg.

3. Welche gesundheitlichen Anforderungen gibt es im Rohrleitungsbau?

Die Arbeit als Rohrschlosser / Rohrschlosserin ist körperlich anspruchsvoll. Häufiges Stehen, Heben und Tragen, Arbeiten auf Gerüsten, Leitern oder in engen Räumen gehören dazu. Eine gute körperliche Belastbarkeit, normale Beweglichkeit und Sehfähigkeit sind wichtig. Außerdem muss persönliche Schutzausrüstung (z. B. Helm, Schutzbrille, Gehörschutz) regelmäßig getragen werden; in bestimmten Bereichen können arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen vorgeschrieben sein.

4. Wie stehen die Zukunftsaussichten für Rohrschlosserinnen und Rohrschlosser?

Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften im Rohrleitungsbau ist in vielen Branchen stabil bis steigend – etwa in der Energieversorgung, im Chemie- und Anlagenbau, in der Wasser- und Abwassertechnik oder im Bereich erneuerbare Energien (z. B. Fernwärme, Wasserstoffinfrastruktur). Mit abgeschlossener Berufsausbildung, Bereitschaft zu Weiterbildung und Mobilität bestehen in der Regel gute Beschäftigungschancen.

9. Quellen

  1. Berufsbildungsgesetz (BBiG), Handwerksordnung (HwO) – Regelungen zu anerkannten Ausbildungsberufen in Deutschland.
  2. Bundesagentur für Arbeit – Entgeltatlas und BERUFENET, Informationen zu Metall- und Anlagenberufen (z. B. Anlagenmechaniker/-in, Industriemechaniker/-in, Konstruktionsmechaniker/-in), Medianentgelte 2025.>
  3. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) – Datenberichte zur beruflichen Bildung, Durchschnittswerte zur Ausbildungsvergütung in Metallberufen.
  4. DVS – Deutscher Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e. V. – Informationen zu Schweißqualifikationen und Zusatzqualifikationen im Rohrleitungsbau.

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