Berufsporträt: Raumausstatter / Raumausstatterin

Raumausstatterinnen und Raumausstatter gestalten Innenräume – vom privaten Wohnzimmer über Hotelzimmer bis hin zu Arztpraxen. Sie verbinden handwerkliches Können mit Sinn für Farben, Formen, Materialien und Funktionalität.

Jobangebote: Raumausstatter / Raumausstatterin

Raumausstatter / Raumausstatterin richtet einen Wohnraum ein

1. Einleitung

Als Raumausstatterin oder Raumausstatter sorgst du dafür, dass Räume nicht nur schön aussehen, sondern auch funktional und angenehm zu nutzen sind. Du berätst Kundinnen und Kunden, planst Gestaltungskonzepte und setzt diese handwerklich um – etwa mit Bodenbelägen, Wand- und Deckenverkleidungen, Polsterarbeiten und Sonnenschutzanlagen.

Der Beruf ist ideal für Menschen, die gerne kreativ arbeiten, aber auch handwerklich zupacken wollen. Neben Geschmack und Gestaltungsgefühl brauchst du technisches Verständnis, Genauigkeit und Freude am Umgang mit Menschen.

2. Ein Tag als Raumausstatter / Raumausstatterin

Der Arbeitsalltag von Raumausstatterinnen und Raumausstattern ist vielseitig und hängt stark davon ab, ob du im Handwerksbetrieb, im Einrichtungshaus, im Messebau oder im Objektbereich (z. B. Hotels, Praxen, Büros) tätig bist. Ein typischer Arbeitstag kann zum Beispiel so aussehen:

Typischer Tagesablauf

  • Morgens: Betrieb, Werkstatt oder Lager organisieren, Auftragspläne prüfen, Material und Werkzeuge für Baustellen zusammenstellen, kurze Abstimmung mit Kolleginnen und Kollegen oder der Geschäftsführung.
  • Vormittags: Vor-Ort-Termine bei Kundinnen und Kunden: Aufmaß nehmen, Untergründe prüfen, Farben und Materialien vorstellen, Gestaltungsvorschläge machen und technische Möglichkeiten erklären.
  • Mittags: Rückfahrt in den Betrieb, Material zuschneiden oder vorbereiten – etwa Stoffe für Vorhänge, Polsterbezüge, Bodenbeläge oder Tapeten.
  • Nachmittags: Ausführungsarbeiten: Böden verlegen, Wände tapezieren, Gardinenschienen montieren, Vorhänge aufhängen, Polstermöbel neu beziehen oder Sonnenschutzanlagen einbauen.
  • Gegen Abend: Baustelle aufräumen, Werkzeuge reinigen, kurze Dokumentation der erledigten Arbeiten, ggf. Nachbestellung von Material abstimmen.

Arbeitsumfeld und Arbeitszeiten

Du arbeitest in Werkstätten, Verkaufsräumen, Ausstellungsflächen und häufig direkt bei Kundinnen und Kunden in Wohnungen oder im Objektbereich. Die Arbeitszeiten orientieren sich meist an den üblichen Öffnungs- und Arbeitszeiten, in Spitzenzeiten – etwa bei größeren Projekten oder Messeterminen – können auch längere Tage oder Samstage anfallen.

3. Aufgaben

Der Beruf Raumausstatter / Raumausstatterin umfasst eine breite Palette an Tätigkeiten. Zentrale Aufgaben sind:

Gestaltung und Beratung

  • Kundenberatung: Bedarfsanalyse, Stilberatung, Präsentation von Musterkollektionen (Stoffe, Böden, Tapeten, Sonnenschutz).
  • Planung: Erstellung von Gestaltungskonzepten, Farbharmonien und Materialkombinationen, ggf. einfache Skizzen oder digitale Visualisierungen.
  • Angebotserstellung: Kalkulation von Material und Arbeitszeit, Erstellung von Kostenvoranschlägen.

Handwerkliche Tätigkeiten

  • Bodenarbeiten: Verlegen von Teppichböden, elastischen und textilen Bodenbelägen, Designbelägen oder Laminat; Vorbereitung des Untergrunds (Spachteln, Schleifen).
  • Wand- und Deckenarbeiten: Tapezieren, Aufbringen von Dekorputzen, Anbringen von Wandbespannungen, Montage von Zierprofilen.
  • Polstern: Aufarbeiten und Neubeziehen von Polstermöbeln, Polsterungen von Sitzbänken, Stühlen oder Wandelementen.
  • Fensterdekoration: Zuschneiden und Nähen von Vorhängen und Gardinen, Montage von Stangen, Schienen und Dekosystemen.
  • Sonnenschutz: Einbau und Justierung von Innen-Sonnenschutzanlagen wie Rollos, Plissees, Jalousien und Flächenvorhängen.

Organisation und Qualitätssicherung

  • Aufmaß und Dokumentation: Exaktes Vermessen von Räumen und Bauteilen, Dokumentation für Kalkulation und Ausführung.
  • Materialwirtschaft: Bestellung von Stoffen, Belägen, Schienen und Zubehör, Lagerpflege.
  • Arbeitssicherheit und Umweltschutz: Einhalten von Sicherheitsvorschriften, sachgerechter Umgang mit Klebern, Lacken, Lösungsmitteln und Entsorgung von Reststoffen.
  • Qualitätskontrolle: Prüfung von Nähten, Kanten, Fugen und Oberflächen, Behebung von Mängeln.

Wichtige Fähigkeiten und Soft Skills

  • Gutes Farb- und Formempfinden und Sinn für Design.
  • Handwerkliches Geschick im Umgang mit Werkzeugen und Maschinen.
  • Räumliches Vorstellungsvermögen und technisches Verständnis.
  • Sorgfalt und Genauigkeit, z. B. bei Aufmaßen und Zuschneiden.
  • Kommunikationsfähigkeit und Serviceorientierung im Kundenkontakt.
  • Körperliche Belastbarkeit, etwa beim Heben, Knien oder Arbeiten über Kopf.

4. Ausbildung zur Raumausstatterin / zum Raumausstatter

Die Ausbildung ist in Deutschland geregelt und wird bundesweit nach der Verordnung über die Berufsausbildung zum Raumausstatter und zur Raumausstatterin durchgeführt.

Dauer und Struktur

  • Dauer: In der Regel 3 Jahre duale Ausbildung im Betrieb und in der Berufsschule (§ 2 Ausbildungsordnung Raumausstatter/in).
  • Ausbildungsform: Duale Berufsausbildung nach Berufsbildungsgesetz (BBiG), mit Zwischenprüfung und Abschlussprüfung vor der Handwerkskammer.
  • Ausbildungsorte: Handwerksbetriebe des Raumausstatter-Handwerks, Polstereien, Einrichtungshäuser mit eigener Werkstatt, Messe- und Objektausstatter.

Inhalte der Ausbildung

Die Ausbildungsordnung sieht sowohl berufsübergreifende als auch berufsspezifische Inhalte vor, darunter:

  • Arbeitsplanung, Auftragsannahme und Kundenberatung
  • Lesen und Anwenden von Zeichnungen und technischen Unterlagen
  • Verarbeitung von Textilien, Leder, Schaumstoffen und anderen Polstermaterialien
  • Verlegen von Bodenbelägen und Ausführen von Untergrundarbeiten
  • Gestaltung und Ausführung von Wand- und Deckenbekleidungen
  • Herstellung von Fensterdekorationen und Montage von Sonnenschutzsystemen
  • Betriebliches Qualitätsmanagement, Arbeitssicherheit und Umweltschutz

Voraussetzungen

Rechtlich ist für die Aufnahme der Ausbildung kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. Viele Betriebe wünschen sich jedoch mindestens einen Hauptschulabschluss oder mittleren Bildungsabschluss.

Wichtiger als der formale Abschluss sind oftmals:

  • Gute Noten in Mathematik (für Maße, Flächenberechnungen, Kalkulationen)
  • Interesse an Gestaltung, Kunst und Technik
  • Handwerkliches Geschick, z. B. durch Praktika oder Hobbys nachgewiesen

Abschluss und Weiterbildung

Die Ausbildung schließt in der Regel mit der Gesellenprüfung vor der zuständigen Handwerkskammer ab. Erfolgreiche Absolventinnen und Absolventen dürfen die Berufsbezeichnung „Raumausstatterin“ bzw. „Raumausstatter“ führen.

Im Anschluss stehen dir zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten offen, zum Beispiel:

  • Fortbildungen in Teilbereichen (z. B. Polstern, Design, Restaurierung)
  • Meistervorbereitungskurse zum Raumausstattermeister / zur Raumausstattermeisterin
  • Weiterbildung zum Staatlich geprüften Gestalter / zur Staatlich geprüften Gestalterin im Handwerk (Schwerpunkt Raum- und Objektdesign)

5. Gehalt als Raumausstatter / Raumausstatterin

Die Vergütung kann je nach Bundesland, Tarifbindung, Betriebsgröße und Berufserfahrung deutlich variieren. Die folgenden Angaben dienen zur Orientierung.

Ausbildungsvergütung

In tarifgebundenen Betrieben des Raumausstatter-Handwerks orientiert sich die Vergütung an den regionalen Tarifverträgen der Innungen und Handwerkskammern. Beispielhafte Spannen (brutto, Stand 2025):

  • 1. Ausbildungsjahr: ca. 700 € – 900 € pro Monat
  • 2. Ausbildungsjahr: ca. 800 € – 1.000 € pro Monat
  • 3. Ausbildungsjahr: ca. 900 € – 1.100 € pro Monat

Einstiegsgehalt

Laut branchenüblichen Angaben und Tarifinformationen im Handwerk können ausgelernte Raumausstatterinnen und Raumausstatter zum Einstieg mit rund 2.300 € bis 2.700 € brutto im Monat rechnen, abhängig von Region und Betrieb.

Gehalt mit Berufserfahrung

Mit wachsender Berufserfahrung, Spezialisierungen und Verantwortung sind höhere Einkommen möglich. Typische Spannen (brutto, Vollzeit):

  • Berufserfahrung ca. 5 Jahre: etwa 2.600 € – 3.000 € monatlich
  • Meister, Projektleitung oder Filialleitung: teils 3.000 € – 3.800 € und mehr monatlich, insbesondere in größeren Betrieben oder im Objektbereich.

Die tatsächliche Vergütung hängt außerdem davon ab, ob ein Tarifvertrag angewendet wird und ob Zuschläge (z. B. für Reisezeiten im Objekt- oder Messebau) gezahlt werden.

Einflussfaktoren auf das Gehalt

  • Region: In einigen westdeutschen Bundesländern und Ballungsräumen werden meist höhere Löhne gezahlt als in strukturschwächeren Regionen.
  • Betriebsgröße und Spezialisierung: Größere Betriebe oder spezialisierte Unternehmen (z. B. Objektausstattung von Hotels oder öffentlichen Gebäuden) zahlen oft mehr.
  • Qualifikationen: Meistertitel, Zusatzqualifikationen oder leitende Funktionen wirken sich positiv auf das Gehalt aus.

6. Karrierewege

Der Beruf bietet eine Reihe von Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten – sowohl innerhalb des Handwerks als auch in angrenzenden Bereichen der Innenarchitektur und des Designs.

Aufstieg im Handwerksbetrieb

  • Geselle mit Zusatzaufgaben: z. B. Baustellenkoordination, Kundenbetreuung, Ausbilderfunktion.
  • Vorarbeiter / Teamleiter: Verantwortung für kleinere Teams und Projekte.
  • Betriebs- oder Filialleitung: Organisation von Personal, Einkauf, Angebotserstellung und Kalkulation.

Meister und Selbstständigkeit

Mit der erfolgreich abgelegten Meisterprüfung im Raumausstatter-Handwerk kannst du:

  • einen eigenen Raumausstatterbetrieb gründen oder übernehmen,
  • Lehrlinge ausbilden,
  • fachliche Führungspositionen in größeren Unternehmen übernehmen.

Fachliche Spezialisierungen

  • Polsterei und Möbelrestaurierung: Schwerpunkt auf hochwertigen Polsterarbeiten und Restaurierung von Sitzmöbeln.
  • Objekt- und Ladenbau: Ausstattung von Hotels, Praxen, Ladenlokalen oder Büros.
  • Sonnenschutz- und Sichtschutztechnik: Fokus auf technische Systeme, Beratung und Montage.
  • Textile Raumgestaltung: Spezialisierung auf Gardinen, Dekorationen und textile Wandbespannungen.

Weiterführende Bildungswege

Mit entsprechender schulischer Vorbildung und Berufspraxis kommen auch weitergehende Abschlüsse infrage, etwa:

  • Studium in Bereichen wie Innenarchitektur, Raumplanung, Produktdesign oder Architektur (je nach Hochschulzugangsvoraussetzungen)
  • Kaufmännische Weiterbildungen, z. B. zum / zur Betriebswirt/in (HWK), um stärker in Management und Unternehmensführung einzusteigen.

7. Verwandte Berufe

Wenn dich die Arbeit als Raumausstatter / Raumausstatterin interessiert, könnten auch folgende Berufe zu dir passen:

  • Polsterer / Polsterin: Spezialisierung auf das Aufpolstern und Beziehen von Möbeln.
  • Tischler / Schreiner: Herstellung und Montage von Möbeln, Einbauten und Inneneinrichtungen aus Holz.
  • Maler und Lackierer / Malerin und Lackiererin: Gestaltung und Schutz von Oberflächen in Innenräumen und an Fassaden.
  • Bodenleger / Bodenlegerin: Spezialisierte Verlegung von Bodenbelägen aller Art.
  • Gestalter/in für visuelles Marketing: Dekoration und Gestaltung von Verkaufsräumen und Schaufenstern, insbesondere im Einzelhandel.
  • Innenarchitekt / Innenarchitektin: Planung und Gestaltung von Innenräumen auf höherem fachplanerischem Niveau (in der Regel Hochschulstudium erforderlich).

8. FAQ zum Beruf Raumausstatter / Raumausstatterin

1. Brauche ich für die Ausbildung zum Raumausstatter einen bestimmten Schulabschluss?

Rein rechtlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. Viele Betriebe bevorzugen jedoch Bewerberinnen und Bewerber mit Hauptschulabschluss oder mittlerem Bildungsabschluss, vor allem wenn gute Noten in Mathematik und Technik vorliegen.

2. Wie kreativ ist der Beruf Raumausstatter / Raumausstatterin?

Der Beruf verbindet Kreativität und Handwerk: Du entwickelst Gestaltungskonzepte, wählst Farben, Materialien und Muster aus und setzt diese praktisch um. Der kreative Anteil hängt auch davon ab, wie stark du in Beratung und Planung eingebunden bist – etwa in kleineren Betrieben oder im Objektbereich.

3. Welche körperlichen Anforderungen gibt es im Beruf?

Raumausstatterinnen und Raumausstatter arbeiten häufig kniend, gebückt oder über Kopf, heben Materialien und Werkzeuge und sind regelmäßig auf Baustellen unterwegs. Eine gute körperliche Grundfitness, Belastbarkeit und sorgfältiges Arbeiten unter diesen Bedingungen sind wichtig.

4. Welche Weiterbildungsmöglichkeiten habe ich nach der Gesellenprüfung?

Nach der Gesellenprüfung kannst du dich fachlich spezialisieren (z. B. Polstern, Design, Objektausstattung), die Meisterprüfung im Raumausstatter-Handwerk ablegen, kaufmännische Abschlüsse erwerben oder – mit entsprechender Vorbildung – ein Studium etwa in Innenarchitektur oder Design beginnen.

9. Quellenblock

  1. Handwerksordnung (HwO), in der jeweils geltenden Fassung, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de
  2. Verordnungen über die Berufsausbildung im Handwerk, zuständige Handwerkskammern und Innungen
  3. Tarifinformationen im Handwerk (z. B. Landesinnungsverbände des Raumausstatter- und Sattlerhandwerks)
  4. Informationsangebote der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildungsberufen in Deutschland

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